MdEP Buchner verlangt Aufklärung nach Zwischenfall im AKW Gundremmingen


MdEP Prof. Dr. Klaus Buchner ÖDP:
„Nachbarn haben Anspruch auf die ganze Wahrheit“


(Brüssel/28.02.2017) Gestern hat es einen Zwischenfall im Block B des bayerischen Atomkraftwerk Gundremmingen gegeben. Die Betreiber der Anlage haben mitgeteilt, dass beim Wiederanfahren von Block B in Deutschlands größtem AKW ein Ventil nicht geschlossen werden konnte. Dazu Prof. Dr. Klaus Buchner, Mitglied des Europäischen Parlaments für die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP): „Aufgrund der Informationen der Betreiber ist unklar, welche Gefahren für die Bevölkerung bestanden haben. Ich verlange, dass erklärt wird, welches Ventil den Zwischenfall verursacht hat, welche Stoffe durch das Ventil wohin strömen, und was die Ursache des Versagens war“.

Prof. Buchner, einziger Kernphysiker im Europäischen Parlament, vermutet, dass das Ventil im Notfall den Hauptkreislauf nach außen in die Kondensationskammer öffnet. Im Hauptkreislauf wird der im Siedewasserreaktor erzeugte Dampf zur Turbine geleitet und nach der Turbine das aus dem entspannten Dampf kondensierte Wasser wieder zurück in den Reaktor gepresst. Wenn vor der Turbine der Druck zu groß wird, wird über Ventile Dampf in die Kondensationskammer abgeblasen. Damit hat das Ventil eine hohe sicherheitstechnische Bedeutung.

Wenn allerdings das Ventil nicht wieder geschlossen werden kann, droht das Gegenteil. Der Hauptkreislauf und somit der Reaktordruckbehälter sind geöffnet. Druck und Wasserstand sinken. Die Kühlung der Spaltelemente ist gefährdet. Dann droht ein Großunfall. Ähnlich wie bei einem Auto, bei dem die Bremse erst zupacken, aber dann auch wieder öffnen muss, ist die Funktion eines solchen Sicherheitsventils sowohl beim Öffnen als beim Schließen von hoher sicherheitstechnischer Bedeutung.

Der ÖDP-Politiker erläutert, dass Block B des AKW Gundremmingen wie Block C schon 1984 in Betrieb genommen wurde. „Eigentlich hätte das AKW Gundremmingen schon stillgelegt werden müssen. Entsprechend der Vereinbarung, die am 14. Juni 2000 zwischen der rot-grünen Bundesregierung und den Atomkonzernen RWE und E.ON unterzeichnet wurde, sollte das AKW nach 32 Betriebsjahren beziehungsweise nach Produktion der Strommenge, die in 32 Jahren üblich ist, abgeschaltet werden.

Das AKW, das mit den letzten Siedewasserreaktoren Deutschlands arbeitet und deswegen als das gefährlichste AKW des Landes gilt, kann jetzt nur noch betrieben werden, weil Strommengen von anderen deutschen AKW nach Gundremmingen übertragen worden sind. Für die Stromversorgung ist das AKW sogar überflüssig, da Deutschland viele Bioenergie- und Wasserkraft- sowie immer mehr Solar- und Windkraftanlagen hat.

Und für den Übergang in Irsching an der Donau rund 1800 Megawatt Gaskraftwerkskapazität brach liegen. Zudem erzielt Deutschland Stromexportüberschussrekorde. Im Jahr 2016 rund 50 Milliarden Kilowattstunden; das AKW Gundremmingen liefert rd. 20 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr“, so der Europaabgeordnete.


Bild: Prof. Dr. Klaus Buchner


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