Atomkraftwerk Gundremmingen


GRS warnte schon lange vor Brennelementeschäden


Aktuelle Recherchen der Ulmer Ärzteinitiative/IPPNW, des Physikers Reiner Szepan und des Kernphysikers und Europaabgeordneten, Prof. Dr. Klaus Buchner, ergaben, dass die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) bereits 2013 vor ernsthaften Brennelementeschäden bei Ausfällen der Hauptwärmesenke im Atomkraftwerk Gundremmingen gewarnt hatte.

Anlässlich der vor Jahren geplanten Leistungserhöhung des Atomkraftwerks Gundremmingen B/C hatte die GRS auf die Gefahr von Brennelementeschäden bei Ereignissen mit „Ausfall der Hauptwärmesenke“ (HWS) hingewiesen. In einer „Dokumentation“ interner Diskussionen mit dem TÜV Süd und der Aufsichtsbehörde vom 14. November 2013 hatte die GRS relevante „Auffassungsunterschiede zwischen dem TÜV Süd und der GRS“ beschrieben. Dabei ging es um das Risiko unzulässiger Belastungen der Brennstab-Hüllrohre und um die Frage der „Weiterverwendbarkeit des Reaktorkerns“ bei Ereignissen mit Ausfall der Hauptwärmesenke.

Nur einen Monat später, am 17. Dezember 2013 erklärte die Kernkraftwerk Gundremmingen GmbH (RWE/E.On), sie habe den 2001 gestellten Antrag auf Leistungserhöhung zurückgezogen. Der Betreiber erklärte in seiner damaligen Presseinformation: „Sicherheitsaspekte spielten dabei keine Rolle …“ Die sicherheitstechnischen Diskussionen hinter den Kulissen wurden der Öffentlichkeit verschwiegen.

In der Dokumentation vom 14.11.2013 gibt die GRS ihre Einschätzung zu den Risiken beim Ausfall der Hauptwärmesenke in Gundremmingen (KRB-II) wieder, die auch für den aktuellen Anlagenzustand (ohne Leistungserhöhung) Gültigkeit haben dürfte. Betrachtet wird unter anderem ein Ausfall der Hauptwärmesenke „mit ungünstigen Randbedingungen“. Gefahren ergeben sich dabei insbesondere durch eine Beeinträchtigung der Reaktorschnellabschaltung etwa durch ein verzögertes Einschießen eines Steuerelementes oder durch eine verzögerte Auslösung der Schnellabschaltung (Ausfall des 1. Anregekriteriums). Bei derartigen „Störfällen“ auf der Sicherheitsebene 3 können laut GRS im Atomkraftwerk Gundremmingen „erhöhte Hüllrohrtemperaturen“ auftreten. Dadurch sei die „Weiterverwendbarkeit“ des Reaktorkerns „in Frage gestellt“.

„Mit anderen Worten: Die Vermutung, dass es beim Ausfall der Hauptwärmesenke in Gundremmingen unter ungünstigen Randbedingungen zu Brennelementeschäden kommen kann, ist zutreffend“, stellt Reinhold Thiel von der Ulmer Ärzteinitiative/IPPNW dazu fest.

Seit Jahren schon warnt der Physiker Reiner Szepan vor den Gefahren eines Druckanstiegs und vor Brennelementeschäden beim Ausfall der Hauptwärmesenke mit gleichzeitiger Beeinträchtigung der Reaktorschnellabschaltung bzw. Beeinträchtigung der Sicherheits- und Entlastungsventile. Szepan verweist auch auf mögliche Messungenauigkeiten, die eine rechtzeitige Auslösung der Reaktorschnellabschaltung verhindern können. Das GRS-Papier bestätigt alle diese Faktoren als relevante Einflussgrößen bei der Beherrschung von Ereignissen mit Ausfall der Hauptwärmesenke.

Ebenso wie die Ulmer Ärzteinitiative/IPPNW verlangt auch der Kernphysiker und Europaabgeordnete Prof. Dr. Klaus Buchner eine umfassende Aufklärung über die Gefahren beim Ausfall der Hauptwärmesenke in Gundremmingen.

Buchner und die Ulmer Ärzteinitiative/IPPNW verweisen unter anderem auf die seit vielen Jahren festgestellten Brennelementeschäden. 2016 beispielsweise wurde Gundremmingen C wiederholt „früher als geplant“ vom Netz genommen (05.07.2016 u. 11.12.2016), um wegen festgestellter „Brennelementdefekte“ andere Brennelemente in den Reaktorkern einzusetzen. „Das wirft Fragen auf“, so Buchner. „War die Weiterverwendbarkeit des Reaktorkerns wegen eines oder mehrerer Störfälle nicht mehr gegeben? Ich würde mir von der zuständigen Atomaufsicht einen Bericht wünschen, der detailliert offenlegt, was sich in Gundremmingen in Wirklichkeit abspielt.“

Reinhold Thiel verweist erneut auf das Super-GAU-Risiko und fordert die sofortige Stilllegung der Anlage: „Durch die Warnungen der GRS wird klar, dass Ausfälle der Hauptwärmesenke im Siedewasserreaktor Gundremmingen extrem bedrohlich sind, weil sie unter nicht ausschließbar ungünstigen Randbedingungen einen Super-GAU auslösen können. Statistisch betrachtet werden 3 von 4 so genannte Gefährdungszustände von dieser Art von Auslegungsstörfall ausgelöst.“


Foto: Klaus Buchner


Weitere Informationen:

· Hintergrundpapier „GRS bestätigt mögliche Brennelementschäden
in Gundremmingen beim Ausfall der Hauptwärmesenke“

· „Dokumentation“ der GRS vom 14.11.2013 und weitere Dokumente

· Störfälle und Brennelementschäden im Atomkraftwerk Gundremmingen

· Betreiber verschweigt „Ausfall der Hauptwärmesenke“ 2015 in Gundremmingen C

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