Hahn

Brief an Landrat Meyer gegen Legehennenanlage


Brief an Landrat Meyer

An den Landrat
Herrn Franz Meyer
Landratsamt Passau
Domplatz 11
94032 Passau

Brüssel, 23. Januar 2018

Sehr geehrter Herr Meyer,

in Dorfbach bei Passau soll eine Legehennenanlage von 180.000 auf 360.000 Plätze vergrößert werden. Es wäre damit die drittgrößte Eierfabrik in Bayern. Hiermit möchte ich meine Besorgnis über dieses Projekt zum Ausdruck bringen.

Massentierhaltung hat auf vielfache Weise negative Auswirkungen sowohl für Tiere als auch für Menschen und die Umwelt. Als Europaabgeordneter der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) setze ich mich deswegen für eine bäuerliche, ökologische Landwirtschaft ein, die der Bewahrung der Schöpfung verpflichtet ist.
Große Mastmastanlagen wie in Dorfbach zerstören das Landschaftsbild unserer schönen bayerischen Heimat. Die Ausscheidungen der Tiere stellen eine große Belastung für die Böden und das Grundwasser dar. Auch gegen das Tierwohl wird in solchen fabrikähnlichen Anlagen erheblich verstoßen. So können die Hühner etwa dem natürlichen Drang des Scharrens, anders als bei Freilandhaltung, nicht nachgehen. Durch den Stress unter Bedingungen der Massentierhaltung ist Kannibalismus unter den dort eingepferchten Hühnern weit verbreitet.

Das Futter für die Legehennen besteht zum Teil aus Soja, das hauptsächlich aus Schwellenländern importiert wird. Dort wird – etwa in Brasilien oder Indonesien – wertvoller Regenwald gerodet, um Platz für die Monokulturen zu schaffen. Gleichzeitig hungert die lokale Bevölkerung, weil die kleinen Bauern von den mächtigen Konzernen, die vom Sojaanbau profitieren, vertrieben werden.

Nicht selten handelt es sich bei den Entwaldungen um illegale Aktionen, wobei auch Brandrodungen zum Einsatz kommen. Dadurch sterben nicht nur viele seltene Tierarten, sondern die verlorenen Waldflächen heizen durch das frei werdende CO2 auch den Klimawandel an.

Mit großer Sorge sehe ich zudem, dass es sich bei einem Großteil des importierten Futters um genmanipuliertes Soja handelt, obwohl die Mehrheit der Deutschen Gentechnik ablehnt. Bis heute gibt es leider keine Kennzeichnungspflicht für Tierprodukte, die mit Gentechnik hergestellt wurden.

Ein besonderes Anliegen ist mir der Kampf gegen multiresistente Keime. In diesem Zusammenhang möchte ich Sie auf meine Kampagne „Klaus graust’s“ aufmerksam machen, in deren Rahmen ich über die gesundheitlichen Gefahren, die mit der Massentierhaltung für die Bevölkerung einhergehen, aufkläre. Ein großes Problem unserer Zeit sind die zunehmenden Resistenzen gegen Antibiotika, bedingt durch die massenhafte Gabe von Antibiotika in der Massentierhaltung. Laut einer Studie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover und der Universität Leipzig bekommen etwa Masthähnchen in Deutschland an zehn ihrer 39 Lebenstage Antibiotika verabreicht. Dadurch ist die Massentierhaltung zu einer der wesentlichen Brutstätten der sog. Krankenhauskeime (MRSA – Methicillin resistenter Staphylococcus aureus) geworden. Denn durch wiederholten, breiten und falsch indizierten Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung (jedoch auch in der Humanmedizin) werden resistente Bakterien geradezu gezüchtet. Bei einer Infektion mit diesen Erregern wirkt dann kein Antibiotikum mehr.

Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie auf meiner Kampagnen-Website: http://klausgrausts.eu/
sowie auf meiner Facebook-Seite:
https://www.facebook.com/klausgrausts/

Sehr geehrter Herr Meyer, auf der Homepage des Landratsamts Passau wird die Verantwortung Ihrer Behörde für die kommenden Generationen betont. Dabei wird explizit der verantwortliche und zukunftsfähige Umgang mit unseren Ressourcen genannt. Massentierhaltung ist mit diesen von Ihnen hochgehaltenen Prinzipien jedoch nicht vereinbar. Deshalb bitte ich Sie, die in Dorfbach geplante Erweiterung der Legehennenanlage nicht zu genehmigen.

Für ein persönliches Gespräch stehe ich selbstverständlich zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Klaus Buchner
Mitglied des Europäischen Parlaments für die
Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP)

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