Brief an die Bundeskanzlerin Merkel


Offener Brief an Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel


von Prof. Dr. Klaus Buchner,
Europaabgeordneter der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP)

→ Originalbrief


Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin!

Mit der Natur gibt es keine Deals oder Kompromisse!

Die gesamte Agrarwirtschaft ist weltweit seit Jahrzehnten ein zunehmendes Desaster und führt unweigerlich und bereits real zum Ökokollaps mit sehr krassen Folgen für Mensch, Tier und Umwelt.
Sie sind Doktor der Naturwissenschaften und waren auch Bundesumweltministerin für vier Jahre. Seit 12 Jahren sind Sie Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland und wohl auch für weitere vier Jahre.
Sie sollten daher die Zusammenhänge problemlos analysieren und auch politisch Ihre demokratisch zur Verfügung gestellte Richtlinienkompetenz anwenden und gesetzgeberisch umsetzen können. Was muss noch alles geschehen, damit Sie endlich das dringend Notwendige umsetzen? Zumindest in Deutschland und Europa hätten Sie genügend Macht und Einfluss!

Alle im Folgenden aufgezählten Tatsachen sind auch Ihnen bekannt und schreiten seit Jahrzehnten kontinuierlich voran, ohne dass Sie konsequente und notwendige Maßnahmen ergriffen haben. Auch vermeiden Sie es, die Dinge und Probleme offen beim Namen zu nennen und der Bevölkerung darzulegen. Ihrem Amtseid “Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.” werden Sie so nicht gerecht.

Fakten zur Agrarwirtschaft und ihren desaströsen Folgen:

– Monokulturen zerstören in erheblichen Ausmaß Böden und Umwelt
– In Deutschland ist ein Viertel der Ackerflächen von Bodenerosion betroffen. Hierdurch geht fruchtbarer Humusboden verloren, welcher maßgeblich für Bodenfruchtbarkeit verantwortlich ist.

– Ein Drittel aller ökologischen Lebensräume in Europa sind bedroht.
– Saatgut ist in den Händen von Großkonzernen und nicht beim Bauern
Großkonzerne kontrollieren den Markt mit exklusiven Patenten.
– Großkonzerne liefern gleichzeitig Unmengen von Düngemitteln, Pestiziden und Antibiotika.
– Unsere Böden werden durch diese gigantischen Monokulturen und die systembedingte erforderliche steigende Düngung und Pestizidanwendung zerstört. Die Artenvielfalt auf unseren Äckern geht dadurch dramatisch zurück mit erheblichen Folgen. Dieser Artenkollaps bei Pflanzen und nützlichen Kleintieren wie z.B. Insekten, Würmern und Bienen und auch Vögeln führt direkt zum Ökokollaps der Böden und Gewässer.
– Pestizide sind ein Teufelskreis. Sie töten nicht nur eventuelle Schädlinge, sondern auch andere Organismen, welche für den Gehalt eines gesunden Ackerbodens notwendig sind. Dadurch wird der Boden immer anfälliger und „benötigt“ noch mehr Pestizide, bis der Boden völlig zerstört ist. Das ist natürlich kein nachhaltiger Umgang mit dem Ackerboden.
– Aktuell: Die Zahl der Insekten hat in den letzten 27 Jahren um mehr als 75 % abgenommen. Dieser Rückgang der Insekten betrifft das gesamte Ökosystem, da sie Pflanzen bestäuben und anderen Tieren als Nahrung dienen. Vergebens wartet die Bevölkerung auf eine politische Reaktion.
– Ackerland dient nicht zum größeren Teil zur Produktion von Lebensmitteln, sondern zur Produktion von Tierfutter für die industrielle Massentierhaltung, zur Produktion von Sprit und zur Produktion von Industrierohstoffen.
– Eklatante Zunahme von Antibiotika-Resistenzen durch die industrielle Massentierhaltung.
– In der Massentierhaltung erfolgt die Verfütterung von Antibiotika prophylaktisch an gesunde Tiere, selbst überlebensnotwendige Reserveantibiotika finden in großem Maße Anwendung und sind immer noch nicht verboten.
– Antibiotika resistente Killerkeime werden über Kontakte von Tier auf Mensch – und umgekehrt – übertragen, außerdem geraten sie auch in die Umwelt, wie z.B. durch die Gülle und damit sogar auf vegetarische Produkte.
– Wesentlichen Anteil an sog. „Krankenhauskeimen“ hat die industrialisierte Massentierhaltung.

– Enormer Wasserverbrauch durch die industrielle Massentierhaltung bei bereits knappen Wasserressourcen auf unserem Planeten.
– Emissionswerte (Ammoniak, Nitrat) im Grundwasser durch die industrielle Massentierhaltung inakzeptabel hoch.
– Die industrielle Massentierhaltung verursacht weltweit mehr klimawirksame Gase als das gesamte Transportwesen zu Lande.
– Die Tiermästung in der industriellen Massentierhaltung erfolgt vorwiegend durch gentechnisch verändertes Soja-Kraftfutter aus Lateinamerika.
– Die größten Abnehmer von Soja innerhalb der EU sind deutsche Tierzucht- und Mastbetriebe.
– 2/5 des brasilianischen Regenwaldes sind zerstört bzw. stark geschädigt durch Weidehaltung und Futtermittelproduktion für den Weltmarkt.
– Soziale Missstände auch in den Entwicklungsländern mit Sterben der bäuerlichen Landwirtschaft auch dort. Folgen sind Hunger, Krankheit, Tod und Migration.
– Industrielle Großbetriebe werden weiter finanziell gefördert und sind politisch gewollt(!), was zum Aussterben der bäuerlichen Landwirtschaft führt.
– In der Politik wird zwar in letzter Zeit viel geredet über Ökolandbau, auch vom Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt. Außer vagen Zielmarken wie „mittelfristig“ oder „zu Lebzeiten“ 20% ökologischer Landbau kommt nichts Wesentliches an politischer Entscheidung und gesetzlichen Rahmenbedingungen. Abgesehen davon war die Zielmarke von 20% bereits im Jahr 2002 (!) von der Bundesregierung proklamiert worden. Zurzeit haben wir in Deutschland nur etwa 10% ökologisch geführte Landwirtschaftsbetriebe!
– Wir haben in Deutschland eine sinnlose Umwelt zerstörende Überproduktion von Fleisch für den Export.
– Durch das geplante Handelsabkommen CETA droht ein enormer Billigfleisch-import nach Europa unter katastrophalen Standards.
– Ungesunde/schädliche Nahrungsmittel ohne gesetzliche detaillierte Kennzeichnungspflicht für den Verbraucher.
– Fürchterliche Tierquälerei.

Es gibt also sehr viel zu tun!
In der nächsten Legislaturperiode müssen endlich die Weichen gestellt werden für eine ökologische Landwirtschaft in Deutschland und Europa. Die Zeit ist bereits schon abgelaufen für ein weiter so.
„Wir schaffen das“ ist definitiv zu wenig, es besteht dringender Handlungsbedarf.

– Agrarsubventionen in Deutschland und Europa müssen zügig und substantiell überdacht sowie geändert und strengen Umweltauflagen unterworfen werden.
– Schluss mit der Förderung industrieller Großbetriebe.
– Gründung von „Ernährungsinitiativen“ durch lokale Politiker unter Einbeziehung von lokalen Landwirten, lokalen Experten der Agrowissenschaften, der lokalen Wirtschaft, Verwaltung und Politik. Diese Gruppe sollte gemeinsam das Problem für die Region angehen und auch umsetzen. Es müssen politische Rahmenbedingen geschaffen werden, welche in allen Regionen diese Vernetzungen unterstützen.
– Die Regierung muss auch Rahmenbedingungen schaffen für die wissenschaftliche Erforschung von besserer regionaler Agrarökologie.
– Die Regierung muss gegen die mächtige Lobby der internationalen Agrokonzerne einschreiten und eine Demokratisierung der Lebensmittelproduktion erwirken. Ökologische bäuerliche Betriebe müssen effektive gesetzliche Rahmenbedingungen erhalten. Schädlichen Massenprodukten muss Einhalt geboten werden.
– Saatgut sollte in bäuerlicher Hand sein, z.B. durch Zusammenschluss zu Genossenschaften. Kein kommerzielles Saatgut, welches ja meist genmodifiziert ist.
– Rasche Rückführung der industriellen Massentierhaltung hin zur artgerechten ökologischen Tierhaltung
– Sofortiges Verbot der prophylaktischen Gabe von Antibiotika in der Tiermast. Sofortiges Verbot insbesondere der für Menschen lebensrettenden Reserveantibiotika in der Tiermast.
– Keine gentechnisch veränderten Futtermittel.
– Glyphosat oder ähnliche Mittel müssen verboten werden, sie sind nachgewiesenermaßen schädlich für Mensch, Tier und Umwelt.

Diese Maßnahmen müssen natürlich begleitet werden von einer ehrlichen Informationspolitik durch die Regierung. Die Bevölkerung muss von den zuständigen Ministern und auch von Ihnen persönlich unterrichtet werden über die Notwendigkeit der Maßnahmen. Es ist Ihre Pflicht dies zu bewerkstelligen, es handelt sich um das existenzielle Allgemeinwohl.

Hochachtungsvoll

Klaus Buchner
(Brüssel, den 8. November 2017)

3 Gedanken zu „Brief an die Bundeskanzlerin Merkel

  1. Alles, was wir den Tieren antun kommt auf uns Menschen zurück. Wer den Wind sät, der wird den Sturm ernten. Die Fraze Mensch, ist an Abartigkeit nicht zu überbieten. 99% der Naturschützer sind ebenfalls Leichenteilkonsumenten, wandelnde Friedhöfe. In deren Gedärm unschuldig hingerichtete Mitgeschöpfe für einen Gaumenschmaus hingerichtet wurden. Solange das nicht aufhört, wird die Natur aufs schlimmste hin ausgebeutet.

    Der Protest beginnt bei jedem am eigenen Teller, über 80% der Sojaernte ist genmanipulierter Dreck aus Südamerika, und wird an Tiere verfüttert. Die Böden sind so kaputt, das man den Tieren minderwertiges B12 spritzt, da man sich lieber zu Tode spart. Dieses System ist von Diktatoren gemacht. Sind wir erst mal Krank, verdient die Pharmamafia sich dumm und dämlich.

    • Sehr geehrter, lieber Herr Prof. Buchner,
      dieser Brief an Frau Dr. Angela Merkel ist wirklich fällig und wir können nur hoffen, dass er wirklich von ihr gelesen wird! Es sind Sorgen, die da angesprochen werden, die von vielen Bundesbürgern geteilt werden. Mit herzlichen Grüßen !Lieselotte Ahammer, ÖDP KVB Altötting.

    • Empörung ist wie Wind, wenn man an ihren zweiten Satz denkt.

      Frieden durch freundliche, liebevolle Einladung gesät, das funktioniert, der Metapher nach ja ebenso. Tue das in Deinen Augen richtige und teile es freudig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.