Windows: Enorme Monopolkosten für Kommunen?


EU-Abgeordneter Prof. Buchner (ÖDP) warnt:


Mindestens 20 Millionen Euro für einen Rückwechsel der
Stadt München von Linux zu Windows


(Brüssel/13.02.2017) Freie Software wie Linux und OpenOffice hält Prof. Dr. Klaus Buchner aus München, Mitglied des Europäischen Parlaments für die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP), für kostensparender und sicherer als kommerzielle Betriebssysteme und Büroprogramme. Deshalb warnt Prof. Buchner die Stadtverwaltung Münchens vor der „Rolle rückwärts“ zu Microsoft Windows. Die Stadt München hatte sich 2003 für Linux und OpenOffice entschieden und über die letzten Jahre schrittweise und im Grunde auch erfolgreich eingeführt. „Nun höre ich von der dortigen CSU/SPD-Koalition, man könne eine Stadtverwaltung nur sinnvoll mit der IT-Infrastruktur der Firma Microsoft betreiben, weil viele Spezialprogramme nur für Windows zur Verfügung stehen“, wundert sich der ÖDP-Politiker. „Diesen Mittwoch soll im Stadtrat die Entscheidung für einen Rückwechsel zu Windows fallen“.

Die konkreten Kosten eines Rückwechsels der Stadtverwaltung Münchens von Linux zurück zu Windows beliefen sich auf mindestens 20 Millionen Euro zusätzlich, weil die bestehende Infrastruktur für über 10 000 Arbeitsplätze in wesentlichen Teilen aufgegeben und eine neue aufgebaut werden müsse.


EU soll freie und quelloffene Software fördern

Da es sich um kritische Infrastruktur handle, müsse die EU dringend prüfen, ob hier die Ausnutzung einer Monopolstellung vorliege und inwieweit sie freie und quelloffene Software wie Linux und OpenOffice/LibreOffice mehr fördern könne. Es könnten kommunale Standardprogramme EU-weit weiterentwickelt und kostenlos angeboten werden, Münchens Erfahrungen wären hierbei eine große Hilfe. Diese Standardsoftware müssten natürlich die Kommunen vor Ort an ihre Bedürfnisse anpassen.

Hinsichtlich freier Software ist der Europaabgeordnete deutlich optimistischer als die CSU/SPD-Koalition in München: „Die IT-Probleme Münchens liegen selbst nach dem Gutachten des Microsoft-Partners Accenture im Wesentlichen an der Organisation; und das Hauptsorgenkind, das Kreisverwaltungsreferat, verwendet obendrein Windows“. Offensichtlich erwarten einige Politiker auf ihren beruflichen Computern die gleichen Anwenderfreiheiten wie auf ihrem privaten Laptop. Dies sei aber nur bedingt eine Frage des Betriebssystems. Die Einschränkung der Nutzerrechte sei inzwischen aus Sicherheitsgründen bei vielen Firmen- und Behördencomputer Normalität, egal ob es sich um Linux oder um Windows handle. Das suggerierte Freiheitspotential eines Umstiegs erweise sich letztlich als Einknicken vor der Marktmacht eines multinationalen Konzerns – zu horrenden Kosten und einem unwohlen Gefühl für unsere Infrastruktursicherheit.


Hintergrundinformationen:

→ ÖDP-Stadtratsantrag aus dem Jahr 2003 zur Einführung von Linux

→ Aktueller ÖDP-Stadtratsantrag zum Thema Spyware in kommerziellen Programmen

→ Einfache Anleitung: Wie installiert man Linux mit wichtigen Standardprogrammen


Bild Logo von „LiMux – Die IT-Evolution“


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