Arzneimittelproduktion – Schluss mit der Abhängigkeit von China und Indien

Stellungnahme von Prof. Dr. Klaus Buchner, Mitglied des Europäischen Parlaments für die ÖDP:

Mein dringender Appell an die Verantwortlichen in Europa lautet:

Europa muss rasch wieder für die Produktion lebenswichtiger Medikamente – auch in großem Rahmen – Sorge tragen. Es geht um unsere Gesundheit und nicht um Profit. Ansonsten gehen bei uns, bedingt durch etwaige politische oder sonstige Konflikte (z.B. Corona-Virus) in China und/oder Indien, gesundheitspolitisch die Lichter aus.

China und Indien sind seit vielen Jahren die führenden Akteure in der Pharmaindustrie und beherrschen 80-90% des Weltmarktes. Dies gilt nicht nur für einzelne Substanzen, sondern auch für Zwischenprodukte bis hin zum Endprodukt. Allein diese Tatsache ist sehr beängstigend.

Unser Gesundheitssystem in Europa und auch weltweit ist damit total abhängig von diesen beiden Ländern. Dieser Zustand ist völlig inakzeptabel, gefährlich und verantwortungslos. Hier muss dringend umgesteuert werden, Europa muss wieder für die Produktion lebenswichtiger Medikamente selbst Sorge tragen. Die inländischen Produktionskapazitäten in Europa müssen schnellstens hochgefahren werden, um die besorgniserregende Abhängigkeit zu stoppen. Die marktbestimmende 80-90%ige Konzentration von Arzneimittellieferketten auf die Länder China und Indien stellt ein Risiko sondergleichen dar.

Es kommt bereits seit Jahren immer wieder zu weltweiten Lieferengpässen bei diversen Medikamenten (z.B. Antibiotika, Narkosemittel, Krebsmedikamente, Blutdrucksenker, u.v.m.), welche dann nicht mehr zur Verfügung stehen. Kliniken, Arztpraxen und Apotheken bereitet dieser Zustand seit Jahren immer wieder echte Probleme in der Behandlung von diversen Erkrankungen mit entsprechenden Beeinträchtigungen der Patienten.

Hinzu kommen gefälschte und verunreinigte Medikamente aus China und Indien, deren Anteil auf mindestens 10% geschätzt wird.

Außerdem sind die Zulieferstränge völlig intransparent, Pharmaunternehmen geben hier keine Informationen weiter, wer wie wo und was genau produziert.

Ein weiteres sehr ernstes globales Problem ist die Ableitung von Abwässern in die Umwelt. Neuere Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung in Indien haben ergeben, dass die dortigen Pharmafabriken (hier lassen fast alle großen Pharmakonzerne insbesondere Nachahmerpräparate herstellen) Abwässer mit Antibiotika und Pilzmittel in die Umwelt ausleiten. Die Konzentrationen lagen teils hundertfach oder gar mehrere tausendmal über vorgeschlagenen Grenzwerten für die jeweiligen Substanzen. Entsprechend wurden dann auch multiresistente Killerkeime nachgewiesen, welche sich immer mehr global ausbreiten und unsere Antibiotika immer unwirksamer machen. Eine biologische Zeitbombe!

 

 

 

 

 

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