Eine bessere Landwirtschaft ist möglich

Faire Milch und unfairer Handel – Herausforderungen des Milchsektors im Gespräch


Diese Woche traf ich mich mit dem Präsidenten der Milch-Genossenschaft FAIRCOOP, Herrn Erwin Schöpges, zum persönlichen Gespräch.

Die belgische Genossenschaft gründete sich nach der Krise 2008, als der sinkende Milchpreis die Existenz vieler Bauern bedrohte. Seitdem verfolgt FAIRCOOP das Ziel ihren Genossenschaftsmitgliedern eine zusätzliche Einnahmequelle zu eröffnen, indem sie Milchprodukte unter der eigenen Marke FAIREBEL zu einem kostendeckenden Preis verkauft.

Die Details dieses Konzeptes waren für mich ausgesprochen interessant, da ich meinerseits enge Kontakte mit vielen deutschen Milchbauern pflege, die das Problem der geringen Milchpreise bestens kennen. Während aber in Belgien FAIREBEL in fast jedem Laden zu finden ist, haben deutsche Initiativen es sehr schwer ihre Milchprodukte mit kostendeckenden Preisen in den Regalen der Supermärkte zu platzieren. Um das zu ändern, ist es mir schon lange ein persönliches Anliegen, das Bewusstsein für den Wert von fairer Milch in der Öffentlichkeit durch Vorträge und Diskussionen zu stärken. Denn nur wenn die Öffentlichkeit nach fairer Milch verlangt, wir diese für den Einzelhandel interessant.

Ein weiterer Punkt auf den Herr Schöpges und ich zu sprechen kamen, ist die Verknüpfung des europäischen und afrikanischen Milchmarktes.

Überschüssige Milch wird in Europa nach wie vor zum Großteil zu Trockenmilchpulver verarbeitet und ins Ausland exportiert. Hauptabnehmer sind afrikanische Staaten, deren einheimische Produktion aber nicht mit den Preisen des hoch subventionierten Trockenmilchpulvers konkurrenzfähig ist. In der Folge verlieren viele lokale Milchbauern ihre zentrale Einkommensquelle. So sind in Burkina Faso beispielsweise heute 95% des Milchmarktes durch Milchimporte abgedeckt – nur noch 5% der Milch werden von einheimischen Produzenten erzeugt.

Sowohl FAIRCOOP als auch die ÖDP und ich, setzen sich für eine Stärkung der lokalen Milchbauern in Afrika ein. Für unser gemeinsames Ziel verfolgen wir unterschiedliche Ansätze: So unterstützt die belgische Genossenschaft in Burkina Faso eine kleine Molkerei und ihre Zulieferer bei der Erarbeitung eines eigenen Marketingkonzeptes nach dem Vorbild von FAIREBEL. Die Hoffnung ist, dass so vermarktete Produkte ähnlich wie in Belgien einen kostendeckenden Verkaufspreis erzielen. Ich meinerseits setze mich in Vorträgen und im Ausschuss für Internationalen Handel des Europäischen Parlamentes immer wieder für eine gerechte und faire Handelspolitik Europas ein. Die Überschwemmung afrikanischer Märkte mit unseren Lebensmitteln ist dabei eines meiner Hauptthemen.

Beide Ansätze konnten bereits einige Erfolge verzeichnen: Das Marketing in Burkina Faso trägt heute erste Früchte, sodass nun auch Produzenten anderer afrikanischer Staaten das Konzept übernehmen möchten. Gleichzeitig steigt vor allem in der europäischen Bevölkerung das Bewusstsein, dass ein Umdenken bei der europäischen Handelspolitik nötig ist.

Bis Milch jedoch sowohl in Europa als auch in Afrika fair bezahlt wird, ist es noch ein weiter Weg.

 

Mit herzlichen Grüßen

Klaus Buchner


 

Ein Gedanke zu „Faire Milch und unfairer Handel – Herausforderungen des Milchsektors im Gespräch

  1. Die Milchindustrie ist ein perverses System, Mutterkühe 3-4 schwängern, die männlichen Kälber werden in kürzester Zeit hingerichtet oder Man steckt diese in die Mast und karrt diese quer durch Europa, dieser Holocoust an unschuldigen fühlenden Mitgeschöpfen ist unerträglich. Dann wird dieses kaputte System auch noch mit Steuergeldern subventioniert. Pflanzliche Drinks besteuert man mit 19% MwSt und die Muttermilch von Kühen wird mit nur 7% besteuert. Der Protest beginnt bei jedem Konsumenten selber.

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